5 Fragen an...
MainBERG: Nach 42 Jahren geht ihr mit der Bewirtung der Riffelseehütte in den Ruhestand. Die richtige Entscheidung?
Anita & Christian: Ja, auch wenn uns diese Entscheidung nicht leichtgefallen ist. Nach 42 Jahren ist die Riffelseehütte ein sehr großer Teil unseres Lebens geworden. Wir haben hier oben unzählige schöne, aber auch schwierige Momente erlebt und viele Menschen kennengelernt, die uns über die Jahre ans Herz gewachsen sind. Irgendwann kommt aber der Zeitpunkt, an dem man loslassen muss. Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es ist die richtige Entscheidung – aber sie fühlt sich trotzdem ein bisschen wie Abschied von einem Stück unseres Lebens an.
Just in eurer letzten Saison war auch das Pitztal von dem schweren Unwetter Ende Juni betroffen. Die Riffelseebahn war wegen der Stromabschaltung in St. Leonhard vorübergehend geschlossen. Wie habt ihr das hier oben erlebt?
Das war schon ein sehr außergewöhnliches Erlebnis. Hier oben bekommt man die Kraft der Natur noch einmal ganz anders mit. Wenn unten im Tal so etwas passiert und gleichzeitig die Bahn stillsteht, merkt man erst, wie abhängig man von der Technik und der Verbindung ins Tal ist. Natürlich macht man sich Sorgen – um die Menschen, um die Betriebe und um das ganze Tal. Gleichzeitig haben wir hier oben versucht, ruhig zu bleiben und das Beste aus der Situation zu machen. Nach 42 Jahren haben wir schon vieles erlebt, aber so etwas bleibt einem besonders in Erinnerung.
Was werdet ihr vermissen?
Anita & Christian: Wahrscheinlich viel mehr, als wir momentan überhaupt begreifen. Wir werden die Berge vermissen, den Riffelsee und diese besondere Ruhe hier oben. Vor allem aber werden uns die Menschen fehlen. Die vielen Stammgäste, die jedes Jahr wiedergekommen sind, die Gespräche, das gemeinsame Lachen und die Begegnungen mit Menschen aus aller Welt. Manche Gäste sind im Laufe der Jahre zu Freunden geworden. Genau diese persönlichen Geschichten werden uns fehlen. Weiters sind wir sehr dankbar für die gute Zusammenarbeit mit unserem Vorstand der Sektion Frankfurt, Daniel Sterner. Über all die Jahre sind wir gut miteinander ausgekommen und haben jegliche Herausforderungen zusammen gemeistert.
Was macht ihr jetzt?
Anita & Christian: Jetzt möchten wir erst einmal durchatmen und wieder mehr Zeit für uns haben. Nach 42 Jahren, in denen die Hütte und die Gäste unseren Alltag bestimmt haben, müssen wir wahrscheinlich erst lernen, dass nicht jeden Morgen jemand auf uns wartet. Wir freuen uns darauf, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, Dinge zu unternehmen, für die bisher wenig Zeit geblieben ist, und einfach einmal spontan sein zu können. Und natürlich werden wir weiterhin unsere Berge genießen – nur diesmal ohne Arbeit im Hinterkopf.
Kommt ihr weiterhin zur Riffelseehütte - als (Ehren)Gäste?
Anita & Christian: Die Riffelseehütte wird immer ein Teil von uns bleiben. Vielleicht wird es am Anfang ein etwas komisches Gefühl sein, hier als Gäste zu sitzen und nicht mehr hinter der Theke oder in der Küche zu stehen. Gleichzeitig freuen wir uns darauf, die Hütte einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben zu dürfen. Und wenn wir dann bei einem Kaffee sitzen und auf den Riffelsee schauen, werden wahrscheinlich sehr viele Erinnerungen wieder hochkommen – an die vielen schönen Momente, die wir hier erleben durften. Vor allem sind wir sehr froh und dankbar, dass wir wissen, dass die Hütte bei Jürgen und Martina Eiter in guten Händen ist und mit viel Herz weitergeführt wird. Das gibt uns ein gutes Gefühl und macht es für uns auch leichter, wieder als Gäste auf die Riffelseehütte zu kommen – mit einem guten Gewissen und vor allem mit ganz viel Freude.
Nach 42 Jahren verabschiedet man sich schließlich nicht einfach von einem Arbeitsplatz. Man verabschiedet sich von einem großen Stück seines Lebens.