Wachablösung auf der Riffelseehütte

19.10.2026

Nach Abschluss der Sommersaison 2026 geht eine Ära zu Ende: Das Hüttenpächter-Paar Anita und Christian Waibl wird nach 42 Jahren die Bewirtschaftung der Riffelseehütte an Jürgen und Martina Eiter übergeben.

 

Am 8. September 2026 wurde mit rund 15 Gästen, Familienangehörigen und vier Vertretern der Sektion Frankfurt am Main dieses besondere Ereignis auf der Riffelseehütte gefeiert.

 

Wir bedanken uns für all die Jahre und die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Eine schöne Zeit!


Daniel Sterner, Vorsitzender der Sektion Frankfurt am Main des DAV

Ruhestand nach 42 Jahren


Als der Vorstand der Sektion Frankfurt am Main des DAV für das Jahr 1984 ein neues Pächterpaar suchte, fiel die Entscheidung auf die Jüngsten der 22 Bewerber:innen: Christian, damals 23 Jahre alt, aus Arzl und seine damalige Verlobte Anita Scheiber, 19 Jahre alt, aus Vent. Der gelernter Zimmermann brachte die handwerklichen Voraussetzungen mit und Anita hatte bereits Erfahrung in der Hüttenbewirtschaftung gesammelt. Weil es damals üblich war, eine Hüttenpacht nur an Ehepaare zu vergeben, heirateten die beiden kurzerhand. Christian und Anita trotzen den Vorurteilen eines "zu jungen" Pächterpaares und legten den Grundstein für ihre jahrzehntelange erfolgreiche Bewirtschaftung der Riffelseehütte.

Lebensrettermedaille für Christian und Santo

Vor vier Jahren ging Christian bereits schon einmal in den Ruhestand. Er gehörte ab 1987 ganze 33 Jahre der Lawinenhundestaffel der Bergrettung Innerpitztal an. Christian und sein damals 13-jähriger Lawinenhund Santo, ein Labrador, machten Platz für jüngere Lebensrettende. Die beiden haben vielen Menschen das Leben gerettet. So auch Anfang Februar 2016, als sie eine 16-jährige Skifahrerin aus einer Lawine am Grubenkopf bargen. Dafür wurden Christian und Santo mit der Lebensrettermedaille des Landes Tirol ausgezeichnet.

Familienleben auf der Riffelseehütte


In den Jahren 1987 und 1997 wurden ihre beiden Söhne Sandro und Mario geboren, die während der Schulzeit an den Wochenenden und in den Ferien ihre Zeit auf der Riffelseehütte genossen.

Service für die Gäste


Im Jahr 1994 kaufte Christian eine Pistenraupe, um in den Wintermonaten das Material zur Versorgung der Hütte zu erleichtern. Und etablierte zudem einen Gepäcktransport zur Riffelseehütte als Angebot für die Gäste - ein Service, der bis heute besteht.

5 Fragen an...

MainBERG: Nach 42 Jahren geht ihr mit der Bewirtung der Riffelseehütte in den Ruhestand. Die richtige Entscheidung?

Anita & Christian: Ja, auch wenn uns diese Entscheidung nicht leichtgefallen ist. Nach 42 Jahren ist die Riffelseehütte ein sehr großer Teil unseres Lebens geworden. Wir haben hier oben unzählige schöne, aber auch schwierige Momente erlebt und viele Menschen kennengelernt, die uns über die Jahre ans Herz gewachsen sind. Irgendwann kommt aber der Zeitpunkt, an dem man loslassen muss. Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es ist die richtige Entscheidung – aber sie fühlt sich trotzdem ein bisschen wie Abschied von einem Stück unseres Lebens an.

Just in eurer letzten Saison war auch das Pitztal von dem schweren Unwetter Ende Juni betroffen. Die Riffelseebahn war wegen der Stromabschaltung in St. Leonhard vorübergehend geschlossen. Wie habt ihr das hier oben erlebt?

Das war schon ein sehr außergewöhnliches Erlebnis. Hier oben bekommt man die Kraft der Natur noch einmal ganz anders mit. Wenn unten im Tal so etwas passiert und gleichzeitig die Bahn stillsteht, merkt man erst, wie abhängig man von der Technik und der Verbindung ins Tal ist. Natürlich macht man sich Sorgen – um die Menschen, um die Betriebe und um das ganze Tal. Gleichzeitig haben wir hier oben versucht, ruhig zu bleiben und das Beste aus der Situation zu machen. Nach 42 Jahren haben wir schon vieles erlebt, aber so etwas bleibt einem besonders in Erinnerung.

Was werdet ihr vermissen?

Anita & Christian: Wahrscheinlich viel mehr, als wir momentan überhaupt begreifen. Wir werden die Berge vermissen, den Riffelsee und diese besondere Ruhe hier oben. Vor allem aber werden uns die Menschen fehlen. Die vielen Stammgäste, die jedes Jahr wiedergekommen sind, die Gespräche, das gemeinsame Lachen und die Begegnungen mit Menschen aus aller Welt. Manche Gäste sind im Laufe der Jahre zu Freunden geworden. Genau diese persönlichen Geschichten werden uns fehlen. Weiters sind wir sehr dankbar für die gute Zusammenarbeit mit unserem Vorstand der Sektion Frankfurt, Daniel Sterner. Über all die Jahre sind wir gut miteinander ausgekommen und haben jegliche Herausforderungen zusammen gemeistert.

Was macht ihr jetzt?

Anita & Christian: Jetzt möchten wir erst einmal durchatmen und wieder mehr Zeit für uns haben. Nach 42 Jahren, in denen die Hütte und die Gäste unseren Alltag bestimmt haben, müssen wir wahrscheinlich erst lernen, dass nicht jeden Morgen jemand auf uns wartet. Wir freuen uns darauf, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, Dinge zu unternehmen, für die bisher wenig Zeit geblieben ist, und einfach einmal spontan sein zu können. Und natürlich werden wir weiterhin unsere Berge genießen – nur diesmal ohne Arbeit im Hinterkopf.

Kommt ihr weiterhin zur Riffelseehütte - als (Ehren)Gäste?

Anita & Christian: Die Riffelseehütte wird immer ein Teil von uns bleiben. Vielleicht wird es am Anfang ein etwas komisches Gefühl sein, hier als Gäste zu sitzen und nicht mehr hinter der Theke oder in der Küche zu stehen. Gleichzeitig freuen wir uns darauf, die Hütte einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben zu dürfen. Und wenn wir dann bei einem Kaffee sitzen und auf den Riffelsee schauen, werden wahrscheinlich sehr viele Erinnerungen wieder hochkommen – an die vielen schönen Momente, die wir hier erleben durften. Vor allem sind wir sehr froh und dankbar, dass wir wissen, dass die Hütte bei Jürgen und Martina Eiter in guten Händen ist und mit viel Herz weitergeführt wird. Das gibt uns ein gutes Gefühl und macht es für uns auch leichter, wieder als Gäste auf die Riffelseehütte zu kommen – mit einem guten Gewissen und vor allem mit ganz viel Freude.
Nach 42 Jahren verabschiedet man sich schließlich nicht einfach von einem Arbeitsplatz. Man verabschiedet sich von einem großen Stück seines Lebens.

Neue Pächter - Winterbetrieb mit Übernachtung

Jürgen Eiter und seine Ehefrau Martina bewirtschaften ab der Wintersaison 2026/27 die Riffelseehütte. Beide sind im Pitztal geboren und aufgewachsen und haben langjährige Erfahrung im Gastgewerbe. Jürgen ist gelernter Restaurantfachmann und hat zur Sommersaison 2023 mit seiner Familie als Pächter das Taschachhaus der DAV Sektion München übernommen. Er war von klein an bis zum Jugendalter oft in den Pitztaler Bergen, gerne bei seinem Onkel, der die Braunschweiger Hütte bewirtschaftete. Nach seiner Lehre hat er ein Restaurant im Tal betrieben. Dann zog es wieder auf den Berg. Mit seiner Frau Martina betreute er drei Sommer lang die Tiefentalalm über St. Leonhard, und übernahm im Anschluss das Taschachhaus.

4 Fragen an...

Was reizt euch an der Bewirtung der Riffelseehütte?

Uns reizt, dass es ein kleinerer Betrieb ist. Damit ist auch weniger Personalaufwand verbunden. Aber spannend finden wir, dass die Riffelseehütte ein Ganzjahresbetrieb ist und wir sowohl im Sommer als auch im Winter Gäste begrüßen dürfen.

Welche Herausforderungen seht ihr für den Ganzjahresbetrieb?

Dass Wandergäste andere Bedürfnisse haben als Skifahrer:innen. Aus der Sicht von Hüttenwirten ist das eine komplett andere Art der Bewirtung, und es braucht andere Dinge, damit sich die Gäste bei uns wohlfühlen. Das fängt schon bei der Ausrüstung an: im Winter ganz anders als im Sommer. Wir freuen uns auf zufriedene Gäste.

Wer unterstützt euch dabei?

Unser Sohn Kevin geht im Sommer und im Winter mit auf die Riffelseehütte und hilft uns in allen Bereichen. Unser Sohn Nico arbeitet weiter im Tal. Aber auch er unterstützt uns, vom Tal aus, und kommt bei Bedarf nach oben.

Neben traditioneller Tiroler Küche sind Martinas Kuchen in der Region sehr beliebt - dürfen sich die Gäste der Riffelseehütte schon darauf freuen?

Bei uns gibt es Spezialitäten wie Tiroler Gröstl mit Spiegelei oder Käsespätzle. Und natürlich gibt es auch einen Kaiserschmarren und frische hausgemachte Kuchen.

Text Redaktion/tp