Andreas/DAV Frankfurt am Main | © Andreas/DAV Frankfurt am Main

Wo die Vulkane Feuer spucken

Frühlings-Wandern auf Sizilien und den Liparischen Inseln

21.05.2026

Die Reise-Idee


Wohin im Frühjahr für einen zweiwöchigen Wanderurlaub, der optimalerweise neben schönen Touren auch gute Wetteraussichten, Strand, Stadt, Kultur und etwas wirklich Neues bietet? Und wie umweltfreundlich anreisen und sich vor Ort bewegen? 

Das Reiseziel


Die Wahl des Autors fiel auf Sizilien und die zur Region zugehörigen Liparischen Inseln, ganz am süd-westlichen Ende des italienischen Stiefels. Hier bieten sich insbesondere im Frühjahr und Herbst wunderbar abwechslungsreiche Wandertouren von zwei bis fünf Stunden Gehzeit in der Nähe schöner Städte oder Ortschaften. Und die anderen formulierten Anforderungen – von Strand und Wetter, bis zu Kultur und etwas wirklich Neuem – lassen sich dort, so sei an dieser Stelle vorweggenommen, auch wunderbar erfüllen. Sizilien ist auf dem Landweg rund 2.100 km von Frankfurt entfernt, selbst Luftlinie rund 1.450 Kilometer. Vermutlich denkt man deshalb zunächst an ein reines Flugreiseziel. Aber dieses südliche Ende von Italien lässt sich von Frankfurt auch erstaunlich einfach, bequem, schön und vor allem umweltfreundlich mit dem Zug erreichen.

 

Frankfurt - Sizilien - Zugfahrt mit nur 1x Umsteigen


Die Gegenden mit den besten Wandermöglichkeiten auf Sizilien lassen sich mit dem Zug von Frankfurt mit nur einem einzigen Umstieg in Norditalien erreichen. Das gilt zum Beispiel für Palermo, die Hauptstadt Siziliens an der Nordküste, Catania und Siracusa an der Ostseite, und für zahlreiche Unterwegshalte. Das ist bemerkenswert, braucht es doch häufig selbst innerhalb Frankfurts oder Hessens von A nach B mehrere Umstiege. Die nachfolgend skizzierte Reise startet in Frankfurt am Main am Hauptbahnhof morgens 08:02 Uhr mit Ankunft in Mailand/Milano Centrale 15:50 Uhr. Ab Milano Centrale mit dem Nachtzug um 20:10 Uhr, Ankunft am Ziel Palermo nach rund 21 Stunden um 16:55 Uhr am nächsten Tag. Die rund viereinhalb Stunden Umsteigezeit in Mailand können als „Puffer“ bei Verspätung dienen, oder aber für einen ausgiebigen Rundgang durch die Innenstadt, von der sich in einigen Stunden ein sehr guter Eindruck gewinnen lässt.

 

Über die Meerenge fährt der Zug Schiff


Zugegeben, die Weiterreise ab Mailand nach Sizilien ist nichts für Menschen, die nicht gerne Zug fahren. Aber alle anderen bekommen auf der rund 21-stündigen Nacht- und Tag-Bahnfahrt einiges geboten: Im Liege- oder Schlafwagen (Vierer-, Doppel-, oder Einzelabteil) fährt man bequem immer an der westlichen Küste entlang einmal den Stiefel ganz runter. Auf Großteilen der Strecke gibt es Meerblick und bei Buchung mit einigen Wochen Vorlauf gibt es Tickets ab 70 Euro pro Person (einfache Fahrt). Dazu gehört ein kleines Frühstück mit einem bemerkenswert guten Kaffee, das morgens ans Bett serviert wird.

An der Meerenge von Messina angekommen, ein Highlight der Reise, wird der Zug in zwei Teile geteilt und auf die Fähre nach Sizilien rangiert. Der Zug fährt nun Schiff. Während der 40-minütigen Überfahrt darf man den Zug verlassen, z.B. um sich an Deck frische Luft um die Nase wehen lassen, einen Espresso zu trinken oder ein Sandwich zu essen. Auf Sizilien angekommen, fährt der eine Zugteil an der Nordküste entlang nach Palermo, der andere an der Ostküste über Catania bis nach Siracusa. Es gibt viele tolle Besichtigungs- und Wanderziele auf Sizilien. Einige wenige werden im Folgenden kurz beschrieben.

Palermo und das schönste Vorgebirge der Welt

Palermo, die Hauptstadt Siziliens, ist eine quirlige Kultur- und Handels-Metropole mit einer reichen Geschichte, lebendigen Märkten und Weltkulturerbe-Stätten. Es lädt zu ausgiebigen Erkundungs-Touren ein; dabei ist alles zu Fuß und vielfach über verkehrsberuhigte Straßen erreichbar. Über Palermo thront der Monte Pellegrino, das „schönste aller Vorgebirge der Welt“, wie Goethe 1787 schrieb. Eine erste aussichtsreiche und abwechslungsreiche Wanderung bietet sich hier an: Rund vier Stunden ab dem Stadtzentrum, knapp 450 Höhenmeter Aufstieg über einen Wallfahrtsweg, bezaubernde Ausblicke auf das grün-blaue Mittelmeer. Eine beeindruckend artenreiche Waldlandschaft auf der Hochebene spendet Schatten und im Frühling ein üppiges Grün. Nach einem steilen Abstieg durch ein tief eingeschnittenes Seitental mit dichtem Bewuchs bieten sich am Ende der Tour am Strand von Mondello schöne Bade- und Einkehrmöglichkeiten (auf die man zuvor von den steil abfallenden Felswänden geblickt hatte). Badesachen nicht vergessen!

 

Cefalù: Bilderbuch-Sizilien mit viel Geschichte


In weniger als einer Stunde von Palermo erreicht man mit dem Regionalzug die östlicher gelegene Stadt Cefalù. Das frühere Fischerstädtchen punktet mit einem sehr schönen Stadtbild, reichhaltigster Geschichte, einem langen Stadtstrand und zahlreichen, kürzeren Wandertouren. Die offensichtlichste dieser Touren, eher ein längerer Spaziergang, führt auch hier durch die Stadt auf den als großen Park angelegten Hausberg Kephalos. Oben gibt es großartige Ausblicke auf Cefalù und die Umgebung, eine Burg und reichlich Ausgrabungen aus unterschiedlichsten Epochen. Und wie über Palermo gibt es eine vielseitige Flora und Fauna - direkt oberhalb der Stadt. Weitere Halbtages-Touren haben ihre Startpunkte weniger als 20 Kilometer von Cefalù und sind gut per Linienbus erreichbar.

 

Taormina – Touristenmagnet am Fuße des Ätna


Nach rund vier Stunden schöner Fahrt mit zwei Regionalzügen entlang der Küste erreicht man die Stadt Taormina an der Ostküste Siziliens. Von Taormina und seiner Umgebung bieten sich (fast) immer großartige Ausblicke auf den Vulkan Ätna. Dieser ist rd. 500.000 Jahre alt, heute 3.400 Meter hoch, einer der aktivsten Vulkane der Welt, und seit 2013 UNESCO Weltnaturerbe. Eine Rauchwolke, die sich vom Gipfel je nach Windrichtung am Himmel entlang zieht, zeugt von der ständigen Aktivität des Vulkans. Zahlreiche Eruptionen mit Lava- und/oder Asche-Auswurf sind für die Zeit seit zirka 1500 vor Christi gut dokumentiert.

 

Kleinere Ausbrüche, die zum Beispiel zur Schließung des Flughafens von Catania führten, gab es in den letzten Jahren regelmäßig. Größere Ausbrüche in den letzten Jahrhunderten und Jahrtausenden hatten Tsunamis, Zerstörung von sizilianischen Städten und auch Temperaturstürze durch Verdunkelung des Himmels zur Folge. Sie betrafen so mitunter den gesamten Mittelmeerraum.

Der Ätna ist ein bevorzugtes Ziel von Wanderern, wobei es unterschiedlichste Zugänge Richtung Gipfel gibt. Eine Seilbahn verkehrt bis auf ca. 2.500 Meter Höhe, von dort werden Allrad-Busse bis auf ca. 3.000 Meter Höhe angeboten. Besteigungen über 2.500 Meter Höhe sind grundsätzlich nur mit ausgebildeten Bergführern und/oder Vulkanologen zulässig. Obwohl der Ätna als einer der am besten überwachten Vulkane der Welt gilt, ist grundsätzlich jederzeit mit unerwarteten Ausbrüchen, umherfliegenden Brocken, giftigen Gasen etc. zu rechnen. In diesem Jahr lag der Ätna auch Ende April noch unter einer dicken Schneedecke, was leider eine einfache Besteigung selbst als Teil einer geführten Tour unmöglich machte.

Zahlreiche Wanderungen mit zweieinhalb bis fünf Stunden Gehzeit in der Umgebung des Ätna bieten aber Vulkan-Erlebnisse auch ohne eine Besteigung des Berges selbst. Dabei gibt es unterschiedlichste Schwierigkeitsgrade, stets Optionen der Anfahrt mit dem ÖPNV und auch für Kinder gut geeignete Touren-Optionen.

Das am Berg gebaute Taormina ist aber nicht nur ein guter Startpunkt für zahlreiche Touren, sondern bietet auch selbst eine hohe Aufenthaltsqualität und zahlreiche lohnende Besichtigungs-Möglichkeiten: Ein großes Griechisches Amphitheater, das später von den Römern umgebaut wurde, attraktive Parks, malerische Gassen mit viel Gastronomie, einen Bahnhof aus den 1880-er Jahren, der toll saniert wurde und trotzdem noch seine Funktion erfüllt, Strände mit glasklarem Wasser – und (fast) alles mit Aussicht auf den Ätna.

Aus dem Meer geborene Vulkaninseln


Weiter geht es auf die Liparischen Inseln, auch Äolische Inseln genannt. Diese Inselgruppe vulkanischen Ursprungs liegt zwischen 30 und 80 Kilometer nördlich von Sizilien. Die sieben bewohnten Inseln mit einer Gesamtfläche von nur 115 Quadratkilometern und insgesamt rund 14.000 Einwohnern sind ausgehend von der sizilianischen Hafenstadt Milazzo mit einem System von Schnellbooten und Fähren miteinander verbunden. Die Inseln haben jeweils sehr eigene Charaktere, laden aber allesamt zum Wandern und besonderen Naturerlebnissen ein. Vier der Inseln sind autofrei, auf den drei anderen kann man sich sehr gut zu Fuß oder mit öffentlichen Bussen bewegen.

Beispielhaft werden hier drei der größeren Inseln kurz vorgestellt:

Insel Vulcano – Fossa, der Schlummernde

Hauptattraktion der Insel Vulcano - und nur wandernd zu erreichen - ist der Gran Cratere des Vulkan Fossa. Eine Krater-Umrundung bietet phantastische Ausblicke auf die Insel selbst, die Inselgruppe, und auf Sizilien inklusive des Ätna mit seiner Schneemütze. Dass der Fossa noch aktiv ist, sieht man hauptsächlich am Dampf der Fumarolen und ihrer Schwefelfelder. Der letzte große Ausbruch datiert auf das Jahr 1888. Vulkanologen beobachten jedoch permanent Indikatoren für mögliche neue Ausbrüche, z.B. die Temperatur der ausströmenden Dämpfe und Gase. Um BesucherInnen zu schützen, wurde kürzlich am Fuße des Vulkans eine Ampelanlage installiert, die u.a. mit den Mess-Stationen für Gase und die Windrichtung verbunden ist. Nur bei Grün dürfen Wanderer aufsteigen. Für die Besichtigung des Kraters (rund 400 Höhenmeter auf und ab) sollte man gut drei Stunden einplanen. Das Ganze ist auch für Kinder und als Tagestour von anderen Inseln gut geeignet. Wer mehr Zeit hat oder auf der Insel übernachtet, findet in der Nähe des Hafens direkt am Strand Unterwasser-Fumarolen, die natürliche Whirlpools zum Baden schaffen. Auf Vulcano geht alles zu Fuß. Dennoch gibt es Autos und man mag nicht recht verstehen, warum sogar Touristen mit ihrem Fahrzeug auf die nur 21 Quadratkilometer große Insel kommen.

Insel Salina – zwei markante Gipfel und Landwirtschaft


Definitiv sehens- und erwandernswert ist Salina, die Insel die auch aus der Entfernung immer gut an ihren zwei (derzeit nicht aktiven) fast gleich hohen Vulkanen erkennbar ist. Die Hänge und Flächen Salinas sind fruchtbar, weshalb die Insel seit Jahrhunderten für ihren Wein, Oliven und Kapern bekannt ist. Wanderern bietet sich eine gute touristische Infrastruktur in vier Ortschaften, mit zwei Häfen und regelmäßig verkehrenden Insel-Bussen. Dabei hat die Insel sich ihre Natürlichkeit bewahrt. Rinella auf der Südseite der Insel ist sowohl bei den Einheimischen, als auch bei Besuchern als Badeort besonders beliebt. Beide Vulkane können umwandert und/oder bestiegen werden, wobei sich jeweils sehr unterschiedliche Eindrücke und Ausblicke ergeben. Die leidlich gut markierten Touren haben jeweils drei bis vier Stunden Gehzeit.

Insel Stromboli – die Atemberaubende


Einzigartig in Europa und definitiv ein Reise-Höhepunkt ist der abendliche Aufstieg zum Vulkan Stromboli auf der gleichnamigen Insel. Die Ausbrüche des Vulkans sind seit Jahrhunderten so regelmäßig (derzeit alle 5 bis 15 Minuten), dass die Insel schon in der Antike als natürliches Leuchtfeuer für Seefahrer diente. Auch wurde diese Art von dauernder vulkanischer Aktivität nach dem Stromboli benannt („strombolianische Aktivität“).  An einem Aussichtspunkt seitlich der Sciara del Fuoco kann man die Eruptionen bestaunen: der Auswurf wird bei größeren Ausbrüchen zunächst bis zu 150 Meter orange glühend in die Höhe geschleudert und rutscht dann dampfend eine mehrere hundert Meter lange Schräge ins Meer. Dabei ist das Ganze nicht nur optisch ein Spektakel, sondern der Berg grollt und zischt, mitunter knallt es. Bei zwei stärkeren Explosionen am Krater im Sommer 2019 kam ein Wanderer durch herabfallendes Gestein ums Leben. Seitdem sind Gipfelbesteigungen leider auch mit ausgebildeten Bergführern oder Vulkanologen nicht mehr zulässig.  Dennoch kommt man auch ohne Führer auf dem gut begehbaren Weg so dicht an den Krater heran, dass Faszination und Ehrfurcht in einer guten Balance bleiben. Wer noch nicht so vertraut mit vulkanischer Aktivität ist, für den lohnt sich ggf. eine Führung (rund 30 Euro pro Person), mit der man zudem 100 weitere Höhenmeter aufsteigen darf. Für die Tour sollten vier bis fünf Stunden Gesamtzeit eingeplant werden. Auch Aufstiege vor Sonnenaufgang – ohne Gruppen vor Ort - sind lohnend. Stirnlampe mitbringen!

Rückfahrt Liparische Inseln - Frankfurt: viele Optionen


Die Rückreise nach Frankfurt am Main kann zum Beispiel 2 Mal pro Woche mit der Nachtfähre direkt ab Stromboli nach Neapel beginnen. Von dort Richtung Norden gibt es sehr viele Tag- und Nacht-Reiseoptionen. Alternativ bietet sich täglich die Rückfahrt ab der sizilianischen Hafenstadt Milazzo an: 15:56 Uhr mit dem Nachtzug nach Mailand, dort Umstieg am nächsten Tag 10:10 Uhr, weiter 11:10 Uhr und Ankunft in Frankfurt um 18:44 Uhr. Und für alle Optionen gilt: unterwegs gibt es viele Orte, an denen man vielleicht mal für einen Tag oder auch mehr Halt machen möchte: Rom, Florenz, Pisa, Bologna, Parma, Venedig, … Wieder in Frankfurt angekommen, hatte man mit etwas Glück in zwei Wochen nicht nur schöne Touren, sondern auch gutes Wetter, Strand, Stadt, Kultur - und die unvergessliche Aussicht auf einen Feuer spuckenden Vulkan.

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Reiseinformationen

  • An- und Abreise mit der Bahn: auf bahn.de und trenitalia.it planen. Leider werden auf beiden Seiten nicht alle Verbindungen angezeigt, nicht optimal kombiniert oder nicht durchgängig verkauft. Bei Umstiegen immer reichlich Pufferzeit einplanen, es gibt kaum Ärgerlicheres als einen verpassten Nachtzug (siehe Aufenthalt in Mailand). Tickets online auf den o.g. Seiten kaufen oder ggf. ein größeres DB Reisezentrum aufsuchen. Rechtzeitig buchen, um Sparpreise bei beiden Bahngesellschaften zu nutzen!
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Fahrten vor Ort: trenitalia.it (Bahn), siremar.it (Fähren), libertylines.it (Schnellboote), lokale Busgesellschaften. Der Download der jeweiligen Apps erleichtert die Buchung.
  • Tourenplanung: Internet, Rother Wanderführer „Sizilien - mit Liparischen Inseln“. Kompass-Wanderführer Auflage 2025 ist leider nicht überarbeitet und veraltet.
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Übernachtungen: Im Frühjahr meist auch kurzfristig viel Auswahl (aber Feier-/Brückentage beachten, dann kommen die Festland-Italiener). So reichen eine gebuchte Hin- und Rückfahrt als Rahmen für die Reise meist aus; alles andere ist vor Ort entscheid- und buchbar. Hotel-Buchungen online, auch von unterwegs, zum Beispiel auf booking.com. Schöne EZ/F in Sizilien im Frühjahr und Herbst ab 75 Euro pro Doppelzimmer/F ab 95 Euro. Liparische Inseln in diesem Jahr wenige Euro teurer.

 

Bericht und Fotos: Andreas, Sektion Frankfurt am Main des Deutschen Alpenvereins (DAV) e.V.